top of page

SCHON MAL VON MIKROFEMINISMUS GEHÖRT…?

  • 15. Jan.
  • 3 Min. Lesezeit


Mikrofeminismus: Kleine Gesten, große Wirkung


Feminismus muss nicht immer laut sein. Manchmal verändert sich die Welt in den kleinen, alltäglichen Momenten – durch bewusste Entscheidungen, die wir fast nebenbei treffen. Genau darum geht es beim Mikrofeminismus: um die winzigen Verschiebungen in unserer Sprache, unserem Verhalten und unseren Erwartungen, die zusammen eine große Wirkung entfalten.


Was ist Mikrofeminismus?

Mikrofeminismus bedeutet, im Alltag kleine, aber bewusste Entscheidungen zu treffen, die Geschlechterstereotype aufbrechen und zu mehr Gleichberechtigung beitragen. Es sind die unscheinbaren Momente, in denen wir innehalten und uns fragen: Warum mache ich das eigentlich so? Muss das so sein?


Hier sind einige Beispiele:


Mikrofeminismus ist...

→ bei Einladungen zu Play Dates oder Kindergeburtstagen die Väter anzuschreiben – und nicht automatisch die Mütter. Denn warum sollte die Organisation von Kinderbetreuung und sozialen Kontakten ausschließlich Aufgabe der Mutter sein?


→ Kinder egal welchen Geschlechts dazu aufzufordern, beim Kochen, Putzen und Bügeln zu helfen. Denn auch Jungs sollten später dazu in der Lage sein, einen Haushalt zu führen – und Mädchen müssen nicht von Natur aus besser im Aufräumen sein.


→ von Männer-Fußball zu sprechen. Denn wenn es Frauen-Fußball heißt, warum ist die männliche Version dann der unmarkierte Standard?


→ bei sexistischen Witzen nachzuhaken: "Was findest du daran lustig?" Diese einfache Frage bringt Menschen oft dazu, über die dahinterliegenden Stereotype nachzudenken – und macht deutlich, dass man nicht einfach mitmacht.


→ wenn ein Ehepaar zwei unterschiedliche Nachnamen trägt, zu fragen: "Er hat seinen Namen behalten?" statt automatisch anzunehmen, die Frau habe ihren aufgegeben. Diese kleine Umkehrung der Erwartung macht sichtbar, wie selbstverständlich wir davon ausgehen, dass Frauen sich anpassen.


→ vom Karriere-Mann oder Power-Mann zu sprechen – und damit die Doppelstandards sichtbar zu machen, die nur bei Frauen ihre Berufstätigkeit markieren.


→ Mädchen und Frauen für ihren Durchhaltewillen, ihre Kreativität oder ihre Problemlösungsfähigkeiten zu loben – statt immer nur für ihr Aussehen. "Du siehst aber hübsch aus" ist nett gemeint, aber "Du hast das wirklich gut durchdacht" stärkt nachhaltig.


→ einfach mal "Nein" zu sagen – ohne sich danach 50 Mal zu entschuldigen. Frauen und Mädchen lernen oft, ihre Bedürfnisse klein zu machen und sich für alles zu rechtfertigen. Ein klares "Nein" ohne "Sorry, aber..." ist Selbstbehauptung im Miniaturformat.


Warum sind diese kleinen Gesten wichtig?

Weil sie Normalität verschieben. Jedes Mal, wenn wir eine automatische Annahme hinterfragen, schaffen wir Raum für neue Selbstverständlichkeiten. Kinder, die erleben, dass sowohl Väter als auch Mütter für Playdates zuständig sind, wachsen mit anderen Rollenbildern auf. Menschen, die anfangen, ihre Sprache zu verändern, denken anders über Geschlechterrollen nach. Mikrofeminismus ist leise Widerstand gegen das, was "schon immer so war" – und gleichzeitig eine Einladung an alle, mitzumachen.


Und was ist mit anderen Formen der Diskriminierung?


Die gleiche Logik gilt auch für andere Bereiche:


Mikro-Anti-Rassismus könnte bedeuten, bei der Frage "Woher kommst du eigentlich wirklich?" nachzudenken, ob man diese Frage auch stellen würde, wenn die Person weiß wäre. Oder bewusst Bücher, Spielzeug und Medien auszuwählen, in denen Schwarze Menschen und People of Color nicht nur in stereotypen Rollen vorkommen.


Mikro-Anti-Ableismus zeigt sich darin, nicht automatisch über die Köpfe von Menschen mit Behinderungen hinweg mit deren Begleitpersonen zu sprechen. Oder Veranstaltungen von vornherein barrierefrei zu planen, statt Zugänglichkeit als nachträglichen Sonderwunsch zu behandeln.


Mikro-Anti-Klassismus kann bedeuten, teure Freizeitaktivitäten nicht als selbstverständlich vorauszusetzen oder Menschen nicht danach zu beurteilen, welchen Bildungsabschluss oder Beruf sie haben.


Mikro-Anti-Antisemitismus bedeutet etwa, jüdische Feiertage genauso selbstverständlich zu kennen und Chanukka nicht als "Jüdische Weihnachten" zu bezeichnen.


Die Kraft des Mikrofeminismus – und aller anderen "Mikro"-Bewegungen – liegt darin, dass jede*r unkompliziert mitmachen kann. Es braucht keine großen Plattformen, kein Budget, keine besonderen Voraussetzungen. Nur Aufmerksamkeit, Bewusstsein und den Willen, kleine Dinge anders zu machen.


Habt ihr weitere Ideen für mikrofeministische Alltagsgesten? Oder Beispiele für Mikro-Anti-Rassismus, Mikro-Anti-Ableismus, Mikro-Anti-Klassismus oder Mikro-Anti-Antisemitismus?



Kommentare


RISING GAZE PRODUCTIONS & CONSULTING GmbH

Storydevelopment - D&I Consulting - Empowerment

Marienburger Str. 5/5a, 10405 Berlin, Germany

 

Impressum  Datenschutz  Barrierefreiheit 

© 2026 by Rising Gaze GmbH

Bitte bestätige die Anmeldung über den Link in der Dir zugesandten Mail.

bottom of page