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ANORA: 5 OSCARS FÜR TOXISCHE NARRATIVE

Aktualisiert: 23. Dez. 2025

[Spoilerwarnung, CN: Sex, Gewalt, Trauma, Queerfeindlichkeit]


Der altbackene Film „Anora“ ist sicher vieles – aber nicht feministisch!



Während Sean Bakers mit fünf Oscars prämierter Film als respektvolle Studie marginalisierter Gruppen gefeiert wird, offenbart sich bei genauerer Betrachtung das Gegenteil: "Anora" ist weder gut recherchiert noch feministisch – sondern schlicht überflüssig.


Der Film scheitert an drei zentralen Punkten: der fast durchgängig passiven Hauptfigur, die kaum Einfluss auf die Handlung nimmt, der problematischen Darstellung von Sexualität und dem dominierenden "Male Gaze". Diese Aspekte durchziehen den gesamten Film und machen ihn zu einem Rückschritt in der Repräsentation von Frauen im Kino.


Die Geschichte folgt der Sexarbeiterin Ani (gespielt von Mikey Madison), die sich auf eine Beziehung mit dem Sohn eines russischen Oligarchen einlässt und letztlich von ihm verlassen wird. Doch bereits in der Konzeption dieser Hauptfigur zeigen sich die Schwächen des Films: Ani hat keine eigenen Ziele im Leben – außer, sich von einem reichen Mann retten zu lassen. Was als vermeintlich realitätsnahe Darstellung verkauft wird, entpuppt sich als eindimensionales Frauenbild.


Besonders problematisch ist die Darstellung von Anis Sexualität. Sie wird ohne eigene sexuelle Bedürfnisse gezeigt – beim Sex scheint sie völlig von ihrem Körper abgespalten, fühlt weder Schmerz noch Lust. Dies deutet auf die Reinszenierung eines Traumas hin und steht im krassen Widerspruch zum Narrativ einer selbstbestimmten Sexarbeiterin, das der Film vorzugeben versucht.


Die Sex- und Strip-Szenen offenbaren dabei ein grundlegendes Problem der Inszenierung. Der "Male Gaze" dominiert die Einstellungen – konkret zeigt sich das in unzähligen voyeuristischen Kameraaufnahmen zwischen die Beine der Darstellerinnen. Laut Aussage der Hauptdarstellerin gab es keine Intimacy Koordination am Set – einer so jungen Darstellerin diese Szenen ohne professionelles Sicherheitsnetz zuzumuten, ist nicht nur ethisch fragwürdig, sondern führt auch zu filmisch monotonen Ergebnissen: langweiliger „Rammel-Sex“, bei dem Ani sich „benutzen" lässt und nicht im Ansatz auf ihre Kosten kommt.


Diese Dynamik setzt sich auch nach der Las-Vegas-Hochzeit fort. Eine Beziehung auf Augenhöhe entsteht nicht. Bis zur völligen Selbstaufgabe bleibt Ani ihrem Mann untergeordnet – ohne Ambitionen, ohne Hobbys und ohne eigene soziale Kontakte verbringt sie ihre Zeit damit, ihm beim Computerspielen zuzusehen. Hat sie denn nichts besseres zu tun?


Ihre Charakterentwicklung bleibt auf der Strecke, während stereotype Geschlechterrollen zementiert werden (schrecklich auch die böse Schwiegermutter, die an die Stiefmütter aus vielen Märchen erinnert). Die Gewaltdarstellung im zweiten Teil des Films verstärkt die problematische Grundhaltung noch. Die Szene, in der Ani minutenlang festgehalten, gefesselt und geknebelt wird, ist nicht nur schwer zu ertragen, sondern in ihrer exzessiven Länge auch unnötig voyeuristisch. Sie zeigt eine junge Frau, die zwar versucht sich zu wehren, im Endeffekt aber daran scheitert. Das ist wenig empowernd.


Bei der anschließenden Suche nach ihrem Ehemann lässt Ani mehrfach Gelegenheiten zur Flucht ungenutzt – im Restaurant, vor Gericht und während der Eheannullierung. Hier hätte die Möglichkeit bestanden, die Geschichte zu drehen und Ani zu ermächtigen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Eine alternative Handlung, in der sie beispielsweise mit Hilfe der anderen Sexarbeiterinnen die Machtverhältnisse umkehrt und die schwerreiche russische Familie zur Verantwortung zieht, wäre nicht nur spannender, sondern auch zeitgemäßer gewesen. Stattdessen ist sie sogar noch so ungeschickt, den Eheaufhebungsvertrag zu unterschreiben. Empowerment? Fehlanzeige.


Die dargestellte Konkurrenzsituation mit der Figur Diamond (einer anderen Sexarbeiterin) untermauert das problematische Frauenbild zusätzlich. Anstatt Solidarität unter marginalisierten Personen zu zeigen, bedient sich der Film des abgenutzten Narrativs weiblicher Konkurrenz um männliche Gunst. Der absolute Tiefpunkt wird erreicht, als die Protagonistin sich am Ende mit sexuellen Gefälligkeiten bei einem Mann dafür bedankt, ihr ihren wertvollen Ehering wieder beschafft zu haben. Die implizite Botschaft: Frauen müssen für die Wiedergutmachung von Unrecht eine Gegenleistung bringen - obwohl das eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte. Dass derselbe Mann sie kurz zuvor gekidnappt und gefesselt hat, scheint schnell vergessen. Deutlich besser wäre gewesen, Ani hätte sich den Ring selbst wieder beschafft.


Auch in Bezug auf Homophobie zeigt der Film erhebliche Defizite. Mehrfach werden Figuren als schwul und als „Rosettenf!*ker“ beschimpft, ohne dass dies kritisch eingeordnet oder kontextualisiert würde. Die diskriminierenden Äußerungen bleiben unkommentiert im Raum stehen.


Zurück bleibt der Verdacht, dass hier ein Regisseur einer jungen Schauspielerin eine Rolle auf den Leib geschrieben hat, die primär seinem eigenen Voyeurismus dient. Dass der Film dafür mit fünf Oscars belohnt wurde, wirft ein bezeichnendes Licht auf die anhaltenden Probleme der Filmindustrie.


Fazit: "Anora" ist ein langweiliger, unnötiger, altbackener Film ohne zeitgemäße Geschlechterdarstellung und ohne ethische Produktionsstandards, der toxische Narrative unhinterfragt reproduziert. In einer Zeit, in der fundierte Repräsentation marginalisierter Gruppen wichtiger denn je ist, bleibt nur zu wünschen: Mögen in Zukunft diejenigen Filme über bestimmte Themen machen, die zumindest ansatzweise etwas davon verstehen. Keine Empfehlung!


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